Warum ist Obst und Gemüse so gesund?

Die Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe

Obst und Gemüse ist gesund. Das lernen wir schon von Kindesbeinen an. Doch warum ist das so? Und was genau bewirken die in Obst und Gemüse enthaltenen Stoffe eigentlich?

Dass Pflanzen über gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe verfügen, ist nichts Neues. Seit Jahrtausenden spielen sie nicht nur in der Ernährung, sondern auch in der Therapie von Krankheiten eine große Rolle. Die prophylaktischen und therapeutischen Wirkungen der Pflanzen sind auf eine Vielfalt von sekundären Pflanzenstoffen zurückzuführen. Je nach Pflanzenart können sich diese positiv auf die Verdauung, den Blutdruck oder das komplette Immunsystem auswirken. Aber auch entzündungshemmende und entgiftende Wirkungen werden den grünen Alleskönnern zugeschrieben.

Die sekundären Pflanzenstoffe lassen sich in neun Substanzklassen unterteilen und wirken in unterschiedlicher Weise auf den menschlichen Körper.

Carotinoide

Charakter: Bei den Carotinoiden handelt es sich um weit verbreitete rote und gelbe Farbstoffe in Pflanzen. Der überwiegende Anteil von ihnen ist als Provitamin A bekannt.

Vorkommen: orangefarbene und rote Obst- und Gemüsesorten wie Möhren, Tomaten, Paprika, Orangen, Aprikosen und Wassermelonen.

Wirkung:
Die meisten Carotinoide wirken als Antioxidantien. Dadurch soll vielen Erkrankungen wie Krebs, Arteriosklerose, Rheuma, Alzheimer und Parkinson, Grauem Star oder der Hautalterung vorgebeugt werden.

Glucosinolate

Charakter: Glucosinolate tragen zu dem typischen Geschmack von Meerrettich, Senf, Kohl und weiteren Gemüsesorten bei.


Vorkommen:
Sie kommen hauptsächlich in Pflanzen der Kreuzblütler-Familie wie Gartenkresse, Kohlrabi, Brokkoli und Rettich. 


Wirkung:
Nach neueren Erkenntnissen beugen diese Geschmackstoffe Infektionen vor und unterstützen die Krebsprävention.

Monoterpene

Charakter: Monoterpene haben die Funktion von Aromastoffen und sind z. B. in Form von Menthol in der Pfefferminze oder als Limonen im Zitrusöl enthalten.


Vorkommen:
Diese Stoffgruppe kommt insbesondere in verschiedenen Obstarten wie Orangen, Aprikosen oder Weintrauben vor. 


Wirkung:
Bei diesen Pflanzenstoffen konnte eine krebshemmende Wirkung festgestellt werden.

Phytoöstrogene

Charakter: Die Struktur der Phytoöstrogene ähnelt jener der vom Körper gebildeten Östrogene (weibliche Sexualhormone).


Vorkommen:
Vor allem in Sojabohnen und Leinsamen.


Wirkung:
Aufgrund ihrer Fähigkeit, ähnliche Effekte wie körpereigene Östrogene auszulösen, wird Phytoöstrogenen die Möglichkeit nachgesagt, klimakterische Beschwerden zu mildern und das Osteoporose-Risiko zu senken.

Phytosterine

Charakter: Diese Gruppe der Pflanzenstoffe ähnelt in ihrer chemischen Struktur den tierischen Sterinen, z. B. dem Cholesterin. Phytosterine werden auch zur Herstellung von Margarine verwendet.

Vorkommen:
Sie kommen hauptsächlich in fettreichen Lebensmitteln vor wie Sonnenblumenkernen Sesamöl, Sojabohnen oder nativem Sonnenblumenöl.

Wirkung:
Phytosterinen wird eine cholesterinsenkende Wirkung zugeschrieben. Sie werden deshalb oft bei der Therapie erhöhter Cholesterinwerte eingesetzt.

Polyphenole

Charakter: Polyphenole sind aromatische Verbindungen und kommen in Pflanzen als bioaktive Substanzen wie Farbstoffe, Geschmacksstoffe und Tannine vor. 


Vorkommen:
Polyphenole kommen vor allem im Schalen- und Randbereich von Pflanzen vor. Pflanzen mit hohem Polyphenolgehalt sind beispielsweise die Apfelbeeren, Weintrauben, die Schale und das Fruchtfleisch der Mangostanfrucht, der Saft des Granatapfels.  


Wirkung:
Einige Polyphenole wirken entzündungshemmend und krebsvorbeugend. Sie schützen Körperzellen vor freien Radikalen und verlangsamen die Zelloxidation.

Protease-Inhibitoren

Charakter: Bei den Protease-Inhibitoren handelt es sich um Substanzen, die proteinspaltende Enzyme hemmen und die ihrerseits aus Eiweißbestandteilen zusammengesetzt sind. Protease-Inhibitoren werden nicht nur mit der Nahrung aufgenommen, sondern sie können auch vom Körper selbst gebildet werden, z. B. um Entzündungen zu kontrollieren.


Vorkommen:
Hülsenfrüchte und Getreideprodukte.  


Wirkung:
Protease-Inhibitoren wirken entzündungshemmend und haben eine präventive Wirkung gegenüber Leber-, Magen-, Darm- und Mundhöhlenkrebs.

Saponine

Charakter: Saponine neigen in wässrigen Lösungen zu starker Schaumbildung - daraus resultiert auch ihr Name (Sapon = Seife). Ein weiteres Charakteristikum ist ihr stark bitterer Geschmack.

Vorkommen:
Vor allem in Hülsenfrüchten, allen voran Kichererbsen. Aber auch in Wurzeln, Knollen, Blättern, Blüten und Samen. Und in Gemüsepflanzen wie Sojabohnen, Erbsen, Spinat, Tomaten, Kartoffeln und Knoblauch.

Wirkung:
Es werden stärkende, entzündungshemmende, harntreibende, schleimlösende und hormonstimulierende Eigenschaften beobachtet. Außerdem unterstützen sie die Aufnahme anderer Inhaltsstoffe aus dem Darm und binden andererseits Cholesterin. Man vermutet auch eine präventive Wirkung gegen Darmkrebs durch eine hemmende Wirkung auf die Zellteilung im Darm.

Sulfide

Charakter: Der wichtigste Vertreter ist das Allicin, das als Hauptwirksubstanz in Knoblauch enthalten ist und dort für den typischen Geruch verantwortlich ist.


Vorkommen:
Vor allem in Knoblauch.


Wirkung:
Schon in vorchristlicher Zeit wurde auf die heilsamen Wirkungen des Knoblauchs bei der Behandlung von Herzbeschwerden, Kopfschmerzen und Geschwülsten in Heilrezepturen aufmerksam gemacht.